Vogelstimmenwanderung
2026 Vogelstimmenwanderung
Der Experte auf dem Gebiet, welchen wir für diese 2,5 stündige Exkursion am 31.05.2026 gewinnen konnten
war kein anderer als Herr Martin Heerd vom Vogelschutzverein Kefenrod.
Frau Ramona Müller (NABU) führte die Gruppe den Bettenweg entlang bis zum Keckenstein.
Mit Martin Heerd wurden zahlreiche Vogelarten optisch und akustisch, bei dem Rundweg um Bindsachsen, entdeckt.
Bei einer Pausenstation am Keckenstein musste die Wanderung leider abgebrochen werden,
denn der Wettergott meine es nicht gut mit den Wanderern, der Regen ließ leider nicht nach
und die Vögel waren natürlich auch nicht mehr zu hören.
Eine gelungene Veranstaltung, vielen Dank an die Gäste und Helfer der NABU Gruppe Bindsachsen.
TEXT: Jens Müller (Vorsitzender des Vorstandes) Foto: NABU Bindsachsen
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2024 Vogelstimmenwanderung
Hält das trockene Wetter oder steht Regen bevor?
Diese spannende Frage stellt sich alljährlich schon Tage vor der angekündigten traditionellen Vogelstimmenwanderung der NABU-Gruppe Bindsachsen. Denn die Antwort entscheidet augenscheinlich darüber, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich am vorher festgelegten Termin um 6.30 Uhr an der Vogelschutzhütte unserer sehr aktiven Gruppe einfinden. Und die Situation sah am Sonntag, den 26. Mai 2026, sehr gut aus. Nach mehreren Tagen mit unbeständigem Wetter begann der Tag vielversprechend mit Sonnenschein und blauem Himmel. Pünktlich trafen dann auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein: Frauen und Männer aus Bindsachsen, aus den Nachbarorten Kefenrod, Wolferborn und Büdingen, eine Frau aus Gedern, die sich ein paar Tage vorher bereits telefonisch angemeldet hatte und ein Ehepaar aus Mittel-Seemen, das kurzfristig sogar noch eine Email geschrieben hatte.
Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Alfred Leiß und ersten Erläuterungen von Martin Heerd, dem Vorsitzenden der Vogelschutzgruppe Kefenrod, der die sachkundige Führung übernommen hatte, startete die Gruppe, die aus 24 interessierten Menschen bestand.
Die Route sei so gewählt worden – so erklärte es Alfred Leiß –, dass so viele unterschiedliche Biotope wie möglich angelaufen werden sollten: der Dorfrand mit den verschieden bewirtschafteten Gärten, wegbegleitende Heckenzüge, landwirtschaftlich geprägte Landschaftsteile, die freie Feldflur und auch Waldränder, um möglichst viele unterschiedliche Vogelarten zu hören und – wenn möglich – auch zu sehen.
Leider erfüllte sich dieser Wunsch zunächst nicht: allen fiel auf, dass es an diesem Morgen in den Dorfrandbiotopen und auch am Himmel über den Dächern des Dorfes zunächst auffällig ruhig blieb. Mehl- und Rauchschwalben ließen lang auf sich warten, der Hausrotschwanz und selbst Haus- und Feldsperlinge brauchten lange, bevor Martin Heerd sie auf seiner Beobachtungsliste vermerken konnte.
Auch Greifvögel wie Mäusebussard, Rotmilan und Turmfalke, bei vorherigen Vogelstimmenwanderungen eigentlich immer schon bei den ersten Sichtungen, konnten erst im Lauf des Vormittags gesehen und notiert werden. Lediglich Kolkrabe, Rabenkrähe und Elstern wurden schon früh gesehen.
Anhand einer auf dem waagrechten Ast eines alten Kirschbaums neu installierten Steinkauzröhre konnte Alfred Leiß den interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern erklären, dass die geschlüpften Jungvögel auf diese Weise nicht aus dem Einflugloch auf den Boden fallen, sondern sozusagen auf dem Ast erst das Laufen lernen.
Auch im weiteren Verlauf der Wanderung, bei der immer wieder kleine Pausen eingelegt wurden, um keine Vogelstimmen rundum zu überhören, fiel allen auf, dass es regelrechte Vogelkonzerte wie noch vor einigen Jahren aktuell nicht mehr gibt. Nur langsam füllte sich die Liste der gehörten und gesehenen Vogelarten. Immer wieder wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf die wunderschöne Vogelsberglandschaft hingewiesen, die wir ganz besonders deutlich vor Augen hatten, als wir die vorbereitete Ess- und Trinkstation auf einer Anhöhe erreichten, von der wir einen nicht zu toppenden Panoramablick auf den Vogelsberg mit dem Fernsehturm und vielen Windrädern genießen konnten.
Den „Frühstückstisch im Freien“ hatten Frauen und Männer der NABU-Gruppe reichhaltig gedeckt: Kaffee und Tee, Kaltgetränke, frische Brötchen, verschiedene Wurst- und Käsesorten, Weintrauben, Tomaten und Gurken, Hefezopf und schmackhaftes Kleingebäck wurden in ausreichenden Mengen angeboten und mit großem Appetit verzehrt.
Nach der Stärkung, angeregten Diskussionen und einer gern gegebenen Spende machte sich die Gruppe auf den weiteren Weg zu einem Aussichtspunkt, der einen schönen Einblick in das als Naturschutzgebiet beantragte Steinbachtal gestattet.
Hier konnte Alfred Leiß nicht nur geschichtliche Daten dieser hochinteressanten Landschaft erläutern, sondern auch die enorme Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit dieses außergewöhnlichen Naturjuwels erklären. Leider, so stellte er fest, stehe die Ampel auch hier auf ROT, denn mehrere seltene Pflanzenarten und sogar Kleinlebensräume wie z.B. die Felswand eines aufgelassenen Steinbruchs seien bedroht und akut gefährdet. Eine Artenvielfalt wie im Steinbachtal – das sei durch entsprechende Begehungen und Pflanzenlisten belegt – gebe es in weitem Umkreis kein zweites Mal!
Mehrere Vogelarten dieses einmaligen Naturraumes, so Leiß, stünden auf der Roten Liste, zahlreiche Pflanzenarten sowieso wie z.B. der Heil-Ziest. Das Vorkommen des Zottigen Klappertopfs sei sogar das einzige bekannte im gesamten Wetteraukreis! Auch die Schmetterlingspopulation sei mit fast 150 festgestellten Arten ein einzigartiger Naturschatz.
Nun endlich konnten sich die Frühaufsteher ausreichend über melodische Vogelgesänge freuen: alle vier Grasmückenarten (Klapper-, Dorn-, Garten- und Mönchsgrasmücke) sowie Zaunkönig und Goldammer waren immer wieder aus den wegbegleitenden Gebüschen und Sträuchern zu hören, das eine oder andere Mal auch ausgiebig zu sehen. Und als besondere Zugabe konnte der seltene amselgroße Neuntöter beobachtet werden, ein Spezialist, der sich von Großinsekten, Eidechsen, Jungvögeln und jungen Mäusen ernährt, die es hier noch, in weiten Teilen der Gemarkung jedoch schon lange nicht mehr gibt.
Beim Blick über die artenreichen Wiesen im nordwestlichen Bereich des beantragten Naturschutzgebiets „Steinbachtal zwischen Wolferborn und Bindsachsen“ gab es dann noch einen weiteren Höhepunkt: das Radom (eine ehemalige Radarstation) auf der Wasserkuppe, dem höchsten hessischen Berg, war an diesem Tag mit ausgezeichneter Fernsicht deutlich zu sehen. Die letzte Wegstrecke führte durch die freie Landschaft. Und endlich konnte hier auch die Feldlerche gehört und gesehen werden, die inzwischen in ihrem Bestand überall erschreckend zurückgegangen ist.
Die Abschlussbesprechung an der Vogelschutzhütte brachte leider keine Überraschung mehr, denn der Trend der letzten Jahre mit immer weniger Vogelarten setzte sich auch in diesem Jahr wieder fort. Hatten wir als Rekordsumme vor etlichen Jahren einmal sogar 54 Arten gehört und gesehen, pendelte sich das Ergebnis nach und nach mit knapp über 40 Arten zuletzt auf unter 40 ein. Aktuell waren es jetzt 37 Arten, eine Zahl, die Martin Heerd auch für die wenige Tage zuvor durchgeführte Vogelstimmenwanderung in Kefenrod berichten konnte. Schaut man sich kritisch an, wie die Landschaft um uns herum bewirtschaftet wird, muss man sich über diese Entwicklung nicht wundern. Was auf Äckern und Wiesen passiert, muss nicht mehr erläutert werden. Neu aber ist, dass es sogar in vielen Hausgärten inzwischen gar keine Büsche oder Bäume mehr gibt, sondern nur noch Schotterflächen oder mit dem Mähroboter geschorene Rasenflächen.
Von diesen Zeitgenossen vermisst kein einziger Singvögel, Igel, Schmetterlinge oder Laufkäfer, so dass wir Naturschützerinnen und Naturschützer auf eine absehbare Verbesserung der beklagenswerten Situation leider erst gar nicht zu hoffen brauchen. Das rasante Artensterben vor unserer Haustür ist noch nicht im allgemeinen Bewusstsein angekommen.
Bericht: Alfred Leiß, Fotos: NABU Bindsachsen




